Der Tarif 590 erklärt: der vollständige Leitfaden für Therapeuten
Wenn Sie in der Schweiz komplementärtherapeutisch arbeiten, ist der Tarif 590 der Schlüssel zur Rückerstattung Ihrer Patienten. Hier erfahren Sie klar und verständlich, wie er funktioniert, was eine korrekte Rechnung enthalten muss und was sich mit der Version 5.0 ändert.
Vom Lymon-Team · 2. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit
Was ist der Tarif 590 eigentlich?
Der Tarif 590 ist die gemeinsame Tarifstruktur, mit der in der Schweiz Leistungen der Komplementärmedizin gegenüber den Zusatzversicherungen (VVG) abgerechnet werden. Konkret ist er eine Liste nummerierter Positionen: Jede anerkannte Methode hat ihre eigene Ziffer (zum Beispiel 1050 für Faszientherapie oder 1062 für klassische Massage), und jede Sitzung wird mit dieser Ziffer, der Dauer und dem Betrag abgerechnet.
Der grosse Vorteil: Alle Zusatzversicherungen sprechen dieselbe Sprache. Eine korrekt ausgefüllte Tarif-590-Rechnung kann von jedem Versicherer verarbeitet werden, ohne dass Sie Ihre Qualifikationen bei jedem einzeln nachweisen müssen.
Die Rechnungsstruktur wird vom Forum Datenaustausch standardisiert, der Schweizer Organisation, die die Austauschformate zwischen Leistungserbringern und Versicherern verwaltet. Die aktuelle Version des Standards ist 5.0 und seit dem 1. Januar 2026 nutzbar; die frühere Version 4.5 wird noch bis zum 30. Juni 2027 akzeptiert.
Die Voraussetzungen: ZSR, GLN und Anerkennung
Noch vor der ersten Rechnung müssen drei Dinge stehen:
- Eine anerkannte Registrierung (ASCA, EMR oder ein Verband wie die NVS oder die APTN): Sie bestätigt den Versicherern Ihre Ausbildung.
- Eine ZSR-Nummer (Zahlstellenregister), vergeben von der SASIS AG: Sie identifiziert Sie gegenüber allen Schweizer Versicherern als Leistungserbringer. Der Antrag läuft in der Regel über Ihre Registrierungsstelle.
- Eine GLN (Global Location Number), die Ihre Praxis im standardisierten Datenaustausch identifiziert.
Diese Nummern stehen auf jeder Rechnung. Ohne eine vom Versicherer des Patienten anerkannte ZSR-Nummer gibt es keine Rückerstattung, auch wenn die Rechnung formal perfekt ist.
Was eine korrekte 590-Rechnung enthalten muss
- Die vollständigen Angaben zum Therapeuten: Name, Adresse, ZSR, GLN.
- Die Angaben zum Patienten: Name, Adresse, Geburtsdatum und die AHV-Nummer für das QR-Code-Blatt.
- Die abgerechneten Positionen: 590-Ziffer, offizielle Leistungsbezeichnung, Dauer, Tarif.
- Den Behandlungsgrund (Krankheit, Unfall usw.) und das anwendbare Gesetz (VVG bei Zusatzversicherungen).
- Einen DataMatrix-Kontrollcode: Gemäss den Richtlinien der Versicherer ist dieser 2D-Code auf dem Beleg Pflicht, zur Authentifizierung und für die automatische Sortierung.
In Version 5.0 besteht die Unterlage für den Patienten aus drei Teilen: dem Rückforderungsbeleg (dem Hauptdokument), einer Leistungsübersicht für seine Unterlagen und einem QR-Code-Blatt, das die Versicherer scannen können, um die gesamte Rechnung automatisch und ohne erneute Eingabe einzulesen.
Tiers Garant: So erhält der Patient sein Geld zurück
In der Komplementärmedizin wird fast immer im System Tiers Garant abgerechnet: Der Patient bezahlt Ihnen die Sitzung und reicht den Rückforderungsbeleg anschliessend bei seiner Zusatzversicherung ein. Der Versicherer erstattet ihm dann gemäss Vertrag einen Teil zurück, meist zwischen 50 und 90 % des Betrags, mit einer jährlichen Obergrenze.
Ihre Aufgabe endet mit einer korrekten, lesbaren Rechnung. Wie viel zurückerstattet wird, hängt vom Vertrag des Patienten und davon ab, ob sein Versicherer Ihre Registrierung anerkennt: zwei Punkte, auf die Sie keinen Einfluss haben und die Sie dem Patienten am besten schon in der ersten Sitzung erklären.
Fehler, die eine Rückerstattung blockieren
- Fehlende AHV-Nummer oder fehlendes Geburtsdatum: Das QR-Code-Blatt kann nicht gültig erstellt werden.
- ZSR-Nummer oder GLN fehlen auf der Rechnung.
- Frei umformulierte Leistungsbezeichnungen statt der offiziellen Bezeichnungen der 590-Positionen.
- Ein fehlender oder fehlerhafter 2D-Code: Manche Versicherer sortieren Rechnungen automatisch.
Eine gute Software prüft diese Punkte vor dem Druck. Genau das macht Lymon: Das XML der Rechnung wird gegen das offizielle Schema des Forum Datenaustausch validiert, und das QR-Code-Blatt wird nur erstellt, wenn alles korrekt ist.
Quellen
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