Vertraulichkeit in der Praxis: Reflexe, die Ihre Patienten (und Sie) schützen

Vertraulichkeit entscheidet sich nicht nur in Ihren Dateien: Sie entscheidet sich im Wartezimmer, am Telefon, am Bildschirm, der eingeschaltet geblieben ist. Gehen wir die realen Situationen einer Praxis durch, und den richtigen Reflex für jede.

Vom Lymon-Team · 2. Juli 2026 · 5 Min. Lesezeit

Was Ihnen Patienten anvertrauen, ist geschützt

Was ein Patient Ihnen in der Sitzung sagt und was Sie in seinem Dossier notieren, gehört zu den besonders schützenswerten Personendaten im Sinne des Datenschutzgesetzes: Die Weitergabe an Dritte erfordert grundsätzlich seine ausdrückliche Einwilligung. Doch über das Gesetz hinaus ist Vertraulichkeit das Fundament Ihres Berufs: Man vertraut sich nur jemandem an, von dem man sicher weiss, dass er schweigt.

Konkrete Situationen und der richtige Reflex

  • Der Partner, der anruft, « um nachzufragen »: Ohne Einverständnis des Patienten bestätigen Sie nicht einmal, dass er bei Ihnen in Behandlung ist. « Dazu kann ich Ihnen keine Auskunft geben » ist ein vollständiger und ausreichender Satz.
  • Die Eltern eines jugendlichen Patienten: Klären Sie den Rahmen ab der ersten Sitzung, mit dem Jugendlichen und den Eltern: was vertraulich bleibt, was geteilt werden darf.
  • Eine andere Fachperson bittet um Informationen: Das ist legitim UND setzt die Einwilligung des Patienten voraus. Fragen Sie ihn zuerst, idealerweise schriftlich.
  • Das Wartezimmer: keine sichtbaren Dossiers, keine offene Agenda auf der Theke, und Termine mit Abstand, damit sich Patienten nicht begegnen, wenn sie das nicht möchten.
  • Ihr Bildschirm: automatische Sperre, persönliches Konto, und nie ein geöffnetes Dossier, wenn ein anderer Patient hereinkommt.
  • Ausserhalb der Praxis: Die « anonymisierte » Anekdote beim Abendessen ist öfter wiedererkennbar, als man denkt. Der Zweifel genügt: Man erzählt sie nicht.

Tools im Dienst der Schweigepflicht

  • Ein Zugang pro Person mit starkem Passwort: Arbeitet noch jemand in der Praxis, hat jede Person ihr eigenes Konto.
  • Versand sensibler Dokumente über einen geschützten Kanal (per Code gesicherter Versand statt frei weitergeleiteter Anhang).
  • Backups und ein wiederherstellbarer Papierkorb: Auch ein verlorenes Dossier verletzt das Vertrauen.

Quellen

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